Großes Bunker-Event am 8. und 9. September in Satzvey

Führungen im Ausweichsitz der Landeszentralbank zu Aufgaben und Geschichte

Besucher erkunden die Bunkeranlage in Satzvey. Am 8. und 9. September steht die Anlage für Führungen wieder offen.Eine unbekannte Schattenwährung neben der Deutschen Mark, geheime Bunkersysteme von Bundesbank und Landeszentralbanken, heimliche Belegungen dieser Anlagen und Planspiele hinter meterdicken Betonwänden und verschlossenen Atomschutztüren: Was krimireif klingt, ist Teil deutscher Wirklichkeit im Kalten Krieg. Am 8. und 9. September wird im Rahmen von Führungen dieser Teil Geschichte im ehemaligen Atomschutzbunker der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalen (Satzvey, Schule am Veybach) erklärt – im 50. Jahr von Kuba-Krise und Spiegel-Affäre, beides Auswüchse militärstrategischer Überlegungen und politisches Kalkül dies- und jenseits des Eisernen Vorganges.

Vor 50 Jahren: Kuba-Krise und Spiegel-Affäre

Kochen, Braten, Schmoren untertage: Auch die Bunkerküche (von 1967) wird besichtigt.Herbst 1962: Die Kuba-Krise wird zur Belastungsprobe für den Weltfrieden, in Deutschland erschüttert die Spiegel-Affäre das Demokratieverständnis der jungen Bundesrepublik. Die Bonner Regierung muss innerhalb weniger Tage nationale und internationale Spannungen analysieren und bewältigen. Den Ereignissen vor einem halben Jahrhundert folgen eine ganze Reihe von Vorsorgemaßnahmen, die schließlich in die Notstandsgesetze münden. Ein Thema hierbei: Die Wirtschaftssicherstellungsgesetze, die auch die Finanz- und Zahlungskreisläufe im Krisen- und Kriegsfall garantieren sollen. Die Bundesbank und das Bundesfinanzministerium legen geheime Serien von D-Mark und Pfennig auf, die in geheimen Bunker- und Tresoranlagen deponiert werden. Die unterirdischen Schutzbauten selber werden in einen „Stand-by-Betrieb“ versetzt. Rund um die Uhr gepflegt, gewartet und betreut, ist alles für den „Tag X“ vorbereitet.

Mit dem Aus des Kalten Krieges ändert sich Anfang der 1990er Jahre auch der Status der Vorsorgemaßnahmen aus (DM-)Papier, (Bunker-)Stahl und Beton. Die Jahrzehntelang gut gehüteten Staatsgeheimnisse gelten plötzlich als überholte Denkmodelle der atomaren Abschreckung und werden aufgelöst.

Führung durch die Bunkeranlage der Landeszentralbank, die den Besuchern nicht nur das Bauwerk und dessen Aufgaben erklärt, sondern auch das bundesdeutsche Krisenmanagement im Kriegs- und Krisenfall 1949 bis 1990.So auch die Bunkeranlage der Landeszentralbank (LZB) in Satzvey: Für 100 Mitarbeiter eingerichtet, kann diese Unterwelt 2012 erstmals besichtigt werden. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Mai stehen am 8. und 9. September die Bunker-Türen erneut offen.

Samstag, 8. September: Führungen … und Geisterstunde für Kinder!

Der Bunkersamstag bietet großen und kleinen Besuchern ein volles Programm, das um 10 Uhr mit Führungen (Eintritt 8 Euro) startet. Der Bunker und seine Aufgabe im Kriegs-und Krisenfall wird in einstündigen Besichtigungen erläutert. Es geht durch unterirdische Sitzungssäle, durch Küche und Schlafzimmer, vorbei an riesigen Anlagen der Versorgungstechnik und verschlossenen Tresortüren.

Geisterstunde ab 14 Uhr: Licht aus und Start für Kinderführungen

Geisterstunde im Geisterbunker: Über 30 Jahre konnte die Landeszentralbank ihren Bunker geheim halten, der am Samstag, 8. September, um 14 Uhr zur „Geisterstunde für Kinder“ einlädt. Mit der Taschenlampe bewaffnet erobern dann die jüngsten Besucher das Staatsgeheimnis a.D., in dem zuvor alle Lichter ausgehen.Um 14 Uhr beginnt dann die Geisterstunde im Bunker: Das Licht geht aus und die menschenleeren Gänge und Räume bieten eine ganz besondere Kulisse, die durch die jüngsten Besucher (und ihre Eltern; Familieneintritt 18 Euro) mit Taschenlampen erobert werden können. Kinderführungen in Form einer Schnitzeljagd laden ein zur Erkundung der Unterwelt. Auf spannende und abenteuerliche Art werden sich die Kinder (empfohlen 3 bis 13 Jahre) selbst den Weg durch den Bunker bahnen und auf ihrem Weg Hinweise und Rätsel finden, deren Lösung hinein ... und auch wieder hinaus führt aus dieser Unterwelt …

Um 16 Uhr wird dann – wie von Geisterhand – die Beleuchtung wieder Licht ins Dunkel bringen und die „normalen“ Führungen werden fortgesetzt (bis 18 Uhr).

Die letzte Runde dieses Tages bleibt dann den Fotografen vorbehalten: Zwei Stunden steht ihnen der Bunker zum Ablichten und Experimentieren mit Licht und Schatten, mit Einrichtungsgegenständen der 60er und 70er Jahre offen (ohne Führungen; Eintritt 15 Euro).

Sonntag, 9. September: Führungen werden zur Zeitreise durch den Kalten Krieg

Besucher auf dem Weg durch die schweren Bunkertore.Und auch der Bunkersonntag steht ganz im Zeichen des Kalten Krieges und seiner Geschichte hier, im Bunker Satzvey: Die Anlage und ihre Aufgabe wird erklärt, das verbunkerte Staats- und Regierungswesen detailliert erläutert. Was hätte es bedeutet, wenn 500 Meter von den Besuchern entfernt eine Atombombe detoniert wäre? Wie lange wollte man hier überleben? Mit welcher Aufgabe? Und wie konnte all das entstehen, ohne dass jemand von dem Bunker und seiner geheimen Aufgabe wusste? Führungen durch den Ausweichsitz mit seinen mehr als 70 Zimmern und verwinkelten Gängen geben beeindruckende Antworten. Für die Versorgung mit Essen und Getränken sorgt die Freiwillige Feuerwehr Mechernich, Löschgruppe Satzvey.

Veranstalter des „Großen Bunker-Events“ am 8. und 9. September 2012 sind die Stadt Mechernich und die Bunker-Dokumentationsstätten, Marienthal.

Infos zur Bunkeranlage (Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Parkmöglichkeiten) gibt es hier

WICHTIG: Eine Anmeldung ist keine Voraussetzung zur Besichtigung; eventuell können ohne Anmeldung aber Wartezeiten entstehen.

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06.07.2012 Satzvey, Landeszentralbank NRW